Das Spitzkraut - unser Symbol für eine kugelrunde Sache aus Brauchtum und Karneval!

Immer verbindet man mit dem Begriff "Filderkraut" eine Kopfkohlsorte, die auf den Fildern ihre Heimat hat und dort auch hauptsächlich angebaut wird: gemeint ist das Spitzkraut. Die charakteristische, oben spitz zulaufende Form bürgt dem Verbraucher für Qualität. Das feinrippige Filderspitzkraut zeichnet sich besonders durch die Feinheit des Geschmacks aus. Auch für den Sauerkrauteinschnitt ist es begehrter als das Rundkraut, weil es durch seine Form einen längeren und feineren Schnitt zulässt. Über die Entstehung der spitzköpfigen Herbstkohlsorte und den Beginn ihres Anbaus ist allerdings wenig bekannt. Es wird angenommen, dass das spitze Filderkraut durch eine sogenannte Mutation, d.h. eine Veränderung der Erbanlagen, aus einer noch früheren Rundkohlsorte hervorgegangen ist.Der Krautanbau auf den Fildern reicht ungefähr 400 Jahre zurück. Damals wurde vermutlich im Klosterhof in Nellingen mit der Züchtung des Spitzkrautes begonnen. Einzelne Bauern zogen ihren Samenbedarf selbst nach und gaben Samen und Setzpflanzen an die umliegenden Orte weiter. Stand zunächst der Anbau im "Krautgärtlein" der Filderbauern im Vordergrund, so spielte der feldmäßige Anbau im Lauf der Zeit eine immer wichtigere Rolle. Die feuchten, tiefgründigen und fruchtbaren Böden der Filderebene und die klimatischen Gegebenheiten boten ideale Voraussetzungen für ein gutes Wachstum und reiche Ernteerträge.

In alten Lagerbüchern und Gerichtsfleckenprotokollen der Gemeinde Plieningen aus dem 16. und 17. Jahrhundert wird von der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung des Krautanbaus berichtet. Die erste sichere Erwähnung des Spitzkrauts findet sich jedoch erst 1772 in den Aufzeichnungen des Pfarrers Bischoff aus Bernhausen. Sieben Jahre später beschreibt Johann Jakob Walther in seiner "Praktischen Anleitung zur Gartenkunst" die Anbauweise des Filderspitzkrautes und erwähnt außerdem auch den Krauthandel, der auf den Fildern getrieben wird.

Dass das Sauerkraut schon sehr viel früher ein beliebtes und volkstümliches Nahrungsmittel war, zeigt ein Bericht aus dem Jahr 1718. Am herzoglichen Hof in Stuttgart wollte man als Karnevalsscherz eine Bauernhochzeit auf den Fildern möglichst getreu kopieren. Die Behörden mussten zu diesem Zweck genaue Erhebungen über Sitten und Bräuche bei solchen Gelegenheiten anstellen. So wurde die Speisefolge eines bäuerlichen Hochzeitsmahls bekannt, bei dem als 3. Gang "Sauerkraut mit grün und dürr Schweinefleisch" angeführt war. Bei der begrenzten Haltbarkeit der Krautpflanze und den hohen Erträgen andererseits war man deshalb schon sehr früh darauf bedacht, eine geeignete Konservierungsmethode zu finden. Man nimmt an, dass die eigentliche Sauerkrautbereitung ursprünglich eine tatarische Sitte war, die von den slawischen Völkern übernommen und auf deren Wanderung nach Westen von den Deutschen aufgegriffen wurde. In den Klöstern des Mittelalters jedenfalls konservierte man noch die ganze Krautköpfe, indem man sie in Salz und Essig einlegte.

Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden auf den Fildern die ersten Sauerkrautunternehmen gegründet. Allerdings verschlechterte sich die Situation der vielen kleinen Sauerkrautfabriken in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr: Mechanisierung, Rationalisierung, Arbeitskräftemangel durch die Saisonarbeit und Auflagen zur Gewässerreinhaltung verschärften den ohnehin schon harten Konkurrenzkampf und führten in mehreren Fällen zu Betriebsstillegungen. Von dieser Entwicklung blieb auch das eigentliche Filderkraut - das Spitzkraut - nicht verschont. Hauptsächlich aus verarbeitungstechnischen Gründen geht der Anbau Jahr für Jahr weiter zurück. Zur Zeit wird nur noch auf etwa 10 Prozent der gesamten Anbaufläche Spitzkraut gepflanzt. Das rationeller zu verarbeitende Rundkraut, das inzwischen auch an Geschmack, Feinrippigkeit und Qualität gewonnen hat, tritt immer mehr an die Stelle des Spitzkrauts.

Wir, die Filderer, sehen uns deshalb als letzte Bastion, das Spitzkraut so lange wie möglich als Symbol in alle Welt hinauszutragen und wollen so dazu beitragen.

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